Tragegurt beim Umzug – Die Anleitung

Was ist es, das die Profis von den Laien unterscheidet? Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig und hat viele mögliche Antworten. Einerseits ist es wohl die Erfahrung und das Know-How. Der Profi macht Dinge nicht zum ersten Mal. Der Laie vielleicht schon. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal ist die Ausrüstung. Wo der Laie sich abmüht und mit Köperkraft und viel Zeitaufwand arbeitet, da arbeitet der Profi intelligent. Vielen innovativen und experimentierfreudigen Menschen ist es zu verdanken, dass es zahlreiche Werkzeuge und Hilfsmittel gibt, die man als Laie nicht einmal kennt. Allerdings muss man diese Dinge auch korrekt einsetzen. Geht es darum, bei einem Umzug schwere Möbel aus einem der oberen Stockwerke zu tragen, kann man vom Umzugsprofi noch viel lernen. Ein Tragegurt kann beim Umzug eine wichtige Unterstützung sein. Aber wie verwendet man einen Tragegurt beim Umzug richtig? Hier die Anleitung.

Was ist ein Tragegurt?

Stellt man sich diese Frage, ist klar, dass man mit einem solchen Gurt noch nie gearbeitet hat. Es handelt sich dabei um ein sehr einfaches Hilfsmittel, das das Tragen schwerer Möbel deutlich einfacher gestaltet. Geht man beispielsweise von einem Schrank aus, dann nicht das Gewicht das Problem. Die Herausforderung ist es, das Möbelstück festzuhalten. Den richtigen Griff zu finden kann ein Problem sein und dann, wenn es zu schwierigen Situationen, etwa im Stiegenhaus kommt, dazu führen, dass das Möbelstück aus der Hand rutscht. Ein Tragegurt ist hier eine einfache, aber effektive Maßnahme, um schwere Lasten sehr einfach zu tragen. Es handelt sich dabei um einen einfachen, mehrere Zentimeter breiten Gurt. Wie man damit schwere Lasten heben kann, scheint auf den ersten Blick nicht ganz klar. Hat man das Prinzip aber verstanden und richtig umgesetzt, ist der Tragegurt ein geniales Hilfsmittel. Auch Profis von Umzugsunternehmen setzen auf den Gurt um große und schwere Möbelstücke zu tragen.

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Tragegurt Anleitung

Kauft man einen Tragegurt erhält man einen, einige Meter langen Gurt, der recht breit ist. 10 Meter Länge und eine Breite von 8, oder 10 Zentimetern sind nicht ungewöhnlich. Der Gurt ist heute meist aus Kunststofffasern gefertigt und kann mit mehreren Hundert Kilo belastet werden. Ältere Modelle gibt es aus Naturfasern, wie Hanf. Die Anwendung des Tragegurts ist einfach. Die Enden werden miteinander verknotet. Damit entsteht ein Ring. In die Länge gezogen ergibt sich ein Oval. Die beiden Schleifen an den Enden werden den Trägern später über die Schultern gelegt. Der Mittelteil, also die beiden parallel laufenden Gurte werden unter das Tragegut gezogen.

Hier die Anleitung für den Tragegurt im Detail:

Die Länge des Tragegurt

Der erste Schritt zur richtigen Anwendung des Tragegurts ist das Verknoten des Gurtes. Dazu muss als erstes die richtige Länge ermittelt werden. Wer das Thema wissenschaftlich angehen möchte, der misst die Länge des Möbels, verdoppelt sie und addiert 5,5 Meter dazu. Trägt man beispielsweise einen Schrank mit 1,20 Länge muss der Gurt demnach 7,9 Meter lang sein. 5,5 Meter plus 2 mal 1,2 Meter. Für den Anfang ist das Messen eine sehr sichere Methode, um die richtige Länge zu erreichen. Später kann man es etwas einfacher machen. Man zieht beide Enden unter dem Möbel durch und sorgt dafür, dass an beiden Seiten eine Schleife entsteht, die hochgezogen etwa bis zum unteren Ende des Brustbeins reicht. Wird das Möbel über Stiegen getragen, dann muss die Schleife kürzer gebunden werden. Sie müssen dann zwischen Nabel und unterem Brustbeinende liegen. Dabei muss man aber auch auf die Höhe achten. Dazu aber später noch mehr.

Skizze zur richtigen Anbringung des Tragegurts

Den Tragegurt verknoten

Die beiden Enden werden verknotet. Hier braucht man keine spezielle Knoten zu verwenden. Ein normaler Knoten, wie man ihn vom Binden der Schnürsenkel kennt, ist ausreichend. Zwei davon werden gemacht und so fest wie möglich zusammengezogen. Am Besten, man abreitet hier zu zweit. Verknotet man alleine, dann stellt man sich mit beiden Beinen auf den Tragegurt und zieht mit aller Kraft an den beiden losen Enden. Zuletzt wird noch ein dritter Knoten gesetzt. Zieht man die Knoten nicht ausreichend fest, dann ziehen sie sich später, während dem Transport zu. Dadurch wird der Tragegurt länger und das Möbelstück kann aufsitzen.

Die Überlänge

Die Überschüssige Länge kann theoretisch abgeschnitten werden. Die Enden werden dann vorsichtig mit einem Feuerzeug verschmolzen, wenn es sich um einen Tragegurt aus Kunsttoff handelt. Will man den Gurt nicht kürzen muss man dafür sorgen, dass er während des Tragens nicht lose herunterhängt. Man kann ihn beispielsweise einrollen und in einen Beutel stecken, den man am Gürtel, oder über der Schulter trägt. Ist ausreichend Platz vorhanden, kann ein Helfer die Überlänge tragen. Evtl. ist auch im Möbel noch Platz, um den Rest zu verstauen. Auf jeden Fall muss man penibel darauf achten, dass die losen Enden nicht zur Stolperfalle werden. Ein Sturz mit der Last kann fatale Folgen haben!

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Richtige Anbringung des Tragegurts

Die beiden Längen des Tragegurts müssen unter das Möbelstück. Die Schleifen ragen an den Schmalseiten hervor. Bevor man das Möbel anhebt muss man darauf achten, dass die beiden Gurte, die unter dem Möbelstück durchlaufen, möglichst weit auseinander aufliegen und nicht verdreht sind. Der Knoten darf nicht im oberen Drittel einer der Schleifen liegen. Dazu wird der Gurt vorsichtig nach oben gespannt, ohne das Möbelstück anzuheben. Danach wird es angehoben.

Das Möbel mit dem Tragegurt heben

Die Schleifen werden an beiden Seiten leicht unter Spannung gehalten. Die Träger gehen in die Knie und stecken einen Arm und den Kopf durch die Schleife. Dabei ist darauf zu achten, in die Knie zu gehen und sich nicht zu bücken. Der Gurt wird jetzt auf der Schulter aufgelegt. Bevor man die Knie streckt und das Möbel hebt, muss man darauf achten, dass er nicht verdreht ist und mit seiner ganzen Breite auf der Schulter aufliegt. Der Knoten muss sich weit entfernt von der Schulter befinden, so dass er weder auf die Schulter, noch auf Brust, oder Rücken drücken kann. Erst wenn der richtige Sitz des Tragegurts an der Schulter sichergestellt ist, darf gehoben werden. Da man sich nicht sieht, ist ein gleichzeitiges Heben nur möglich, wenn man sich dazu verständigt. Ein Einzählen und ein vorsichtiges Heben ist die beste Methode. Mit den Händen wird das Möbelstück gegen seitliches Umkippen gesichert.

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Transport mit dem Tragegurt

Hat man die Knie gestreckt und das Möbelstück gehoben, wird klar, ob man bisher alles richtig gemacht hat. Ist die Schleife zu kurz, kann man bei hohen Teilen, etwa bei einem Schrank, oben an die Decke stoßen und für Türstöcke zu hoch sein. Ist sie zu lange, oder gibt der Knoten nach, dann hängt das Möbelstück zu tieg. Spätestens an der Treppe rächt sich das. Zwar kann man, durch Abstand vom Möbel, also durch ein Abstützen mit gestrecktem Arm, noch etwas Höhe gewinnen, der Gurt muss aber von Anfang an richtig eingestellt werden, um einen problemlosen Transport zu gewährleisten. Beim Tragen muss man darauf achten, immer die Kontrolle über das getragene Möbel zu behalten. Beim Gehen beginnt es zu schwanken und muss auf jeder Seite seitlich mit den Händen gesichert werden. Geht man Treppen auf-, oder abwärts, wird der untere Träger stärker belastet. Er muss nicht nur rückwärts laufen, sondern auch die größere Last tragen. Ein Helfer, der ihn von hinten abstützt und so vermeidet, dass er nach hinten fällt, ist zu empfehlen.

Genial einfach

Der Tragegurt ist eine einfache, aber geniale Erfindung. Fast schon bequem kann man sperrige Möbel uns sogar schwere Dinge tragen. Die Last auf den Schultern ist leichter zu tragen, als mit den Armen. Hebt man mit geradem Rücken, also aus den Knien und stellt auch wieder so ab, schont man damit den Rücken. Ein Umzug, den man selbst abwickelt, ist immer auch körperlich eine große Belastung. Ein Tragegurt ist für unter 20 Euro zu bekommen und ist auf jeden Fall eine sinnvolle Investition. Zusammen mit Karren und Rollbrettern kann man sich damit einfache physikalische Gesetze zunutze machen und schonend und ohne Schaden an den Möbeln und den Helfern, alles tragen.