Das geheime Leben der Bäume

Peter Wohlleben, ein Deutscher Förster, hat seine Arbeit als klassischer Forstwirt neu interpretiert. Seine Beobachtungen, zusammen mit der Erforschung der Zusammenhänge im Wald, hat er in einem Buch zusammengefasst. Das geheime Leben der Bäume beschreibt seine Beobachtungen und gibt einen neuen Blick auf Bäume. Statt in ihnen große Rohstoffreserven zu sehen kann man sie auch als Lebewesen, die Fühlen, Freundschaften schließen, Nahrung suchen und ihren Nachwuchs behüten sehen. Ein lesenswertes Buch.

Stolperstein

Den Ausschlag für das Umdenken von Peter Wohlleben hat ein Kreis aus vermeintlichen, mit Moos überwachsenen Steinen gegeben. Eines Tages hat er sich diese kleinen runden Erhebungen in der Erde genauer angesehen und festgestellt, dass sie zu einem gefällten Baum gehören. Uralte Wurzeln eines Baumes, der vor mehreren Hundert Jahren gefällt wurde. Der Stamm war bereits verrottet und nur noch das Wurzelwerk war zu erkennen. Zum Erstaunen Wohllebens hat er festgestellt, dass die Wurzeln auch nach so langer Zeit noch lebt. Obwohl keine Baumkrone mehr zur Verfügung steht, über die notwendige Ressourcen gewonnen werden, konnte der Baum die Jahrhunderte nach seinen Tod überstehen. Die Erklärung dafür ist überraschen. Die benachbarten Bäume haben die Versorgung übernommen. Der gefällte Freund wird von seinem ehemaligen Nachbarn mitversorgt und am Leben gehalten.

Wood Wide Web

Peter Wohlleben beschreibt ein Netzwerk aus Wurzeln und Pilzen, das den gesamten Waldboden durchzieht. Nährstoffe und Informationen werden über dieses Netzwerk, das er Wood Wide Web nennt, ausgetauscht. Er nennt in seinem Buch viele faszinierende Beispiele für das Verhalten von Bäumen. Je mehr man liest, umso mehr beginnt man die Bäume als Lebewesen, die sich nur in der Geschwindigkeit von den Tieren unterscheiden, zu begreifen. Wohlleben beschreibt, wie Bäume miteinander um ihren Lebensraum kämpfen. Er erläutert die Pflege des Nachwuchs, der hunderte Jahre im Schatten der Mutter verbringt, aber von ihr mit allem versorgt wird, was es am Waldboden nicht gibt. Erst wenn die Mutter stirbt können die Nachkommen wachsen.

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Im Waldboden verläuft ein Netzwerk, das Informationen und Nährstoffe verteilt

Kommunikation der Bäume

In spannenden Beispielen beschreibt der Autor, wie Bäume miteinander kommunizieren. Fressfeinde werden durch Bitterstoffe in den Blättern abgewehrt. Parasiten mit Säften in der Rinde vergiftet. Wird ein Baum angegriffen gibt er die Information an alle umstehenden Bäume weiter. Auch die Fortplanzung koordnieren die Pfanzen untereinander. Sie blühen nicht jedes Jahr, sondern in unregelmäßigen Abständen. Die Information, dass sie im kommenden Jahr blühen, wird zwischen den Bäumen ausgetauscht.

Junge Wilde

Bäume, die in Parks, oder der Stadt kultiviert werden, wachsen ohne die Erziehung ihrer Eltern auf. Sie sind verwirrt, weil sie als kleiner Baum gegossen werden und mit zunehmend Alter plötzlich auf sich allein gestellt sind. Die Stadtkinder verhalten sich ganz anders, als andere und machen Fehler, die ihre Mutter verhindert hätte, wenn sie in ihrem Schatten gewachsen wären. Wohlleben beschreibt, wie Bäume wandern und ihren Lebensraum erweiter. Er beschreibt, wie einzelnen Arten miteinander Kämpfen und versuchen sich zu verdrängen. Eine Sache macht allerdings sehr nachdenklich.

Gedächtnis der Bäume

In verschiedenen Versuchen und anhand der Beobachtung von Bäumen kann man sehr gut nachweisen, dass Bäume so etwas, wie ein Gedächtnis haben. Allerdings gibt es im Baum kein entsprechendes Organ. Wo also speichert die Pflanze ihre Erfahrungen, die sie später abrufen kann. Der Autor vermutet, dass das Gedächtnis in den Wurzeln sitzt. Eine Theorie, die die Praxis, Bäume in Baumschulen in der Krone und am Wurzelballen zurückzuschneiden, recht brutal erscheinen lässt.

Das geheime Leben der Bäume ist ein lesenswertes Buch, das Lust vermittelt in die Natur hinauszugehen und selbst zu beobachten, was die Bäume, für und unbemerkt und über Jahrzehnte und Jahrhunderte tun.